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Arup und Adapteo: Der neue Circularity Index wirkt mit konkreten Daten

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Was ist zirkulär und wie viel ist es zirkulär? Haben Sie sich schon einmal diese Frage im Umfeld von Second Hand, Recycling und Circular Economy gestellt?

Kreisförmig und ringsherum ist die ursprüngliche Bedeutung von zirkulär. In der Baubranche bedeutet es, dass alles vom Gebäude für eine zweite oder weitere Verwendung wieder genutzt werden kann. Zirkularität zählt schon immer zur DNA des Modulbaus.

Lina K. Wiles ist Chief Sustainability Officer und Board Member bei der Adapteo Group. Sie ist verantwortlich für die Entwicklung des Circularity Index und beantwortete uns drängende Fragen rund um einen neuen Index, der Zirkularität für Adapteo messbar und vergleichbar macht.

Der Beweggrund für den Index ist eine einfache, aber unbequeme Erkenntnis gewesen", sagte Lina K. Wiles.

Es existieren bereits spezifische Indikatoren für Kreislauffähigkeit wie Materialflüsse, Recyclingfähigkeit und Demontierbarkeit von Gebäudemodulen. “Der Beweggrund für den Index ist eine einfache, aber unbequeme Erkenntnis gewesen”, erklärt Wiles. „Obwohl das Geschäftsmodell von Adapteo auf Zirkularität ausgerichtet ist, hatten wir keine belastbare Möglichkeit, zu messen, wie zirkulär wir tatsächlich sind. 

Zirkularität war etwas, an das wir geglaubt haben – aber nichts, was wir quantifizieren, über die Zeit verfolgen oder strategisch steuern konnten.“ Der Circularity Index sei entwickelt worden, um genau dieses Problem zu lösen. Es wurde ein Instrument geschaffen, das zeige, wo Zirkularität wirklich funktioniere, wo nicht – und was verbessert werden könnte. Nicht nur in der Theorie, sondern als echtes Management- und Entscheidungswerkzeug für das Unternehmen.

Hohe Relevanz für das gesamte Bau-Ökosystem

Für Kunden, Lieferanten und Partner ist die Investition in die Entwicklung des Index ebenfalls von hoher Relevanz, vorallem für Entscheidungsträger als Teil des gesamten Ökosystems.

Für Adapteo unterstützt der Index strategische, operative und Investitions-Entscheidungen. Er macht sichtbar, wie Wiederverwendung, Design- und Materialauswahl auf Systemebene wirken. Für Kunden, Investoren, Eigentümer, Kreditgeber und politische Entscheidungsträger bietet er Transparenz und Glaubwürdigkeit, eine Möglichkeit, Zirkularität über vage Aussagen oder Einzelbeispiele hinaus zu verstehen.

Darüber hinaus schließe, so Wiles, der Index eine Marktlücke: den Mangel an praxisnahen, skalierbaren Zirkularitätskennzahlen. Insbesondere für den Modulbau, aber auch für die Bauwirtschaft insgesamt. Damit sei er nicht nur für Adapteo relevant, sondern für die gesamte Branche.

Für unsere Kunden liegt der Mehrwert in Klarheit und Vertrauen, betont Lina K. Wiles.

Der Index zeigt, dass modulare, wiederverwendbare Gebäude nicht nur flexible Lösungen sind, sondern einen messbaren Beitrag zur Reduzierung von Ressourcenverbrauch und Umweltwirkungenüber die Zeit leisten. Er stärkt damit die Argumente für anpassungsfähigeSpace-as-a-Service-Lösungen.

Für den Markt ist der Index eine Innovation: eine transparente Methodik, die zeigt, wie Zirkularität in der Praxis – und im großen Maßstab – tatsächlich funktioniert. Indem zirkuläre Leistung sichtbar und vergleichbar wird, macht er fundiertere Entscheidungen von Käufern, Finanzierern und politischen Entscheidungsträgern möglich.

Zirkularität als strategischer Hebel

Und was bedeutet das für Adapteo? „Die wichtigste Veränderung für uns ist, dass Zirkularität an Abstraktion verliert und aktiv gesteuert werden kann. Die Ergebnisse haben uns geholfen zu erkennen, wo unser Modell besonders gut funktioniert und wo Verbesserungen die größte Wirkung entfalten – von Wiederverwendungsquoten und Materialströmen bis hin zu Designentscheidungen“, beschreibt Wiles die Auswirkungen.

Mindestens ebenso wichtig sei der Wandel in den internen Diskussionen: Zirkularität unterstütze heute Gespräche über Wachstum, Kapitaleffizienz und langfristige Wertschöpfung.

„Zirkularität wird mehr und mehr als strategischer Hebel verstanden – nicht als Entweder-oder-Thema. Ein grundlegender Wandel läge darin, wie Nachhaltigkeit unsere unternehmerischen Entscheidungen prägt,“ beobachtet Wiles.

Diesen Wandel unterstützt Adapteo mit dem Circularity Index.

Background: Wie funktioniert das eigentlich? Die Entwicklung eines Index? Und welche Bedeutung hat er für den Markt?

Im Gespräch mit Sean Lockie, Director bei Arup.

Der Index ist ein Entscheidungsinstrument, das eine transparente und quantifizierbare Bewertung der zirkulären Leistungsfähigkeit ermöglicht. Er basiert auf nachvollziehbarer Logik und physischen Materialflüssen und wurde für eine sektorenübergreifende Anwendung entwickelt.

Damit reagiert er auf den derzeitigen Mangel an standardisierten Methoden am Markt. Eine enge inhaltliche Abstimmung erfolgte mit Organisationen wie UNOPS, WBCSD und der Ellen MacArthur Foundation (EMF), ermöglicht durch Arups etablierte Zusammenarbeit mit diesen Institutionen.

Da der Index mit relevanten politischen und beschaffungsbezogenen Rahmenwerken übereinstimmt, besitzt er das Potenzial, sich als Branchenbenchmark zu etablieren – vorausgesetzt, er findet eine breite Akzeptanz im Markt.

Der Circularity Index hat das Potenzial, sich als Branchenbenchmark zu etablieren, sagt Sean Lockie, Director bei Arup.

Unabhängig davon bietet der Index Adapteo und vergleichbaren Unternehmen bereits heute einen belastbaren und praxisnahen Rahmen, um Verbesserungen gezielt zu steuern und die Vergleichbarkeit über die Zeit hinweg sicherzustellen. Dies ist insbesondere in Deutschland von Bedeutung, wo Prinzipien des zirkulären Bauens die Planungsanforderungen und Vergabekriterien stark prägen.

Indikatoren, Regularien und bereits vorhandene Rahmenwerke sind in den neuen Index eingeflossen:

CSRD –Corporate Sustainability Reporting Directive
Der Index wurde so konzipiert, dass er die Offenlegungspflichten der CSRD im Bereich Zirkularität unterstützt und eng an die entsprechenden Berichtserwartungen angelehnt ist. In Deutschland ist die CSRD in das nationale Berichtswesen für große Bau- und Immobilienunternehmen integriert, was die Kompatibilität mit regulatorischen Anforderungen stärkt.

ESRS E5 –Ressourcennutzung & Kreislaufwirtschaft
Der Index ist direkt mit den Indikatoren des ESRS E5 abgestimmt und gewährleistet damit Konsistenz mit den entstehenden verpflichtenden Offenlegungen. Dies ist besonders relevant für Deutschland, wo ESRS-getriebene Anforderungen an Materialeffizienz, Wiederverwendung und zirkuläres Ressourcenmanagement die ESG-Berichterstattung zunehmend prägen.

EU CircularEconomy Action Plan (CEAP)
Der Austausch mit Akteuren des CEAP hat dazu beigetragen, den Index in den übergeordneten EU-politischen Kontext einzuordnen. In Deutschland beeinflussen die CEAP-Prinzipien sowohl bundesweite Leitlinien für das Bauen als auch Kriterien der öffentlichen Beschaffung, insbesondere in Bezug auf Langlebigkeit, Abfallvermeidung und Wiederverwendungspotenziale.

Level(s) –EU-Rahmenwerk für nachhaltige Gebäude
Der Index ist mit dem Level(s)-Rahmenwerk abgestimmt und damit für EU-weite Bewertungen anwendbar. Level(s) wird unter anderem im DGNB-System sowie inöffentlichen Nachhaltigkeitsbewertungsprozessen herangezogen, was eine stark einhaltliche Überschneidung in Bereichen wie Anpassungsfähigkeit, Rückbaubarkeit, Materialkreisläufe und Lebenszyklus Performance schafft.

Transparente Logik im Fokus

Eine glaubwürdige Zirkularitätskennzahl muss, davon ist Arup überzeugt, auf transparenter Logik beruhen. “Es muss nachvollziehbar sein, wie sie entsteht, und Vertrauen, Benchmarking sowie Vergleichbarkeit zwischen Akteuren ermöglicht werden. Sie muss reproduzierbar sein, damit sie konsistent auf Produkte, Projekte und unterschiedliche geografische Kontexte angewendet werden kann,” erklärt Sean Lockie. Arup war es wichtig, dass sie auf messbaren physischen Materialflüssen basiert und nicht auf abstrakten Punktesystemen, um tatsächliche Wirkungen besser abzubilden.

Die Kennzahl muss praktisch anwendbar sein und einen Mehrwertschaffen.

Der von Arup für Adapteo entwickelte Circularity Index erfüllt diese Anforderungen, indem er fundierte Entscheidungsprozesse unterstützt, branchenübergreifendes Benchmarking ermöglicht und das Vertrauen in Aussagen zur zirkulären Leistungsfähigkeit im deutschen Bausektor stärkt.

Index als Entscheidungshilfe

Ein klarer Zirkularitätsrahmen unterstützt Kunden und öffentliche Auftraggeber dabei, über allgemeine Nachhaltigkeitsaussagen hinauszugehen und design- und materialbezogene Entscheidungen evidenzbasiert zu vergleichen. Indem komplexe Materialflüsse, Einsatzmuster und Planungsentscheidungen in wiederholbare und vergleichbare Kennzahlen übertragen werden, ermöglicht der Index gezieltere Fragestellungen – etwa zu Wiederverwendungspotenzialen, Materialeffizienz, Wartungsanforderungen, Lebenszykluseffekten oder zur regulatorischen Konformität.

Ein Instrument wie der Circularity Index visualisiert die Leistungsfähigkeit über Einsatz, Materialflüsse und Designqualität hinweg. Dadurch können Auftraggeber Zielkonflikte erkennen, Annahmen hinterfragen und im Vergabeverfahren belastbarere Nachweise einfordern. Das verbessert die frühe Planungsphase: Potenziale werden aufgezeigt, bei denen Zirkularität zu Kosteneinsparungen, höherer Resilienz und einer besseren Übereinstimmung mit zukünftigen Vergabekriterien führen kann.

In der Praxis verschiebt sich damit der Fokus von der Frage „Welche Option ist heute am günstigsten?“ hin zu „Welche Option erhält langfristig den größten Wert, reduziert Abfall und unterstützt unsere Nachhaltigkeitsziele?“ – eine deutlich strategischere Grundlage für Entscheidungen.

Der Index ist fest in der europäischen und nationalen Kreislaufwirtschaftspolitik verankert

Durch die enge Ausrichtung an den Anforderungen von CSRD und ESRS E5 zur Ressourcennutzung, Materialeffizienz und Zirkularitätsberichterstattung sowie durch die Berücksichtigung des EU Circular Economy Action Plan und des Level(s)-Rahmenwerks ist der Index fest in der europäischen und nationalen Kreislaufwirtschaftspolitik verankert. 

Der Index liefert genau jene politik- und vergabefähigen Nachweise, die in Deutschland zunehmend gefordert werden: Bundes- und landesweite Baurichtlinien, die Bezugnahme der DGNB auf Level(s) sowie immer stärker zirkulär ausgerichtete öffentliche Ausschreibungen legen den Schwerpunkt auf Lebenszyklustransparenz, reduzierte Nutzung von Primärrohstoffen und dokumentierte Wiederverwendungspotenziale.

Unsere CSO, Dr. Lina K. Wiles, erläutert den Circularity Index von Adapteo – unser internes Verfahren zur Messung und Berichterstattung der Kreislaufleistung im modularen Bauwesen und ein wichtiges Instrument zur Förderung umfassenderer Klimaschutzmaßnahmen in der gesamten Baubranche.

Kleiner Tipp: Spulen Sie bis 1:09 vor, um direkt zum Thema zu gelangen!

 

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